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Geschichte der Gebäude


Bethlehemkirche

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Die Kirche wird geplant

Die Muttergemeinde St. Martin in Linden war um die Jahrhundertwende in drei Bezirke eingeteilt, die von einem gemeinsamen Kirchenvorstand verwaltet wurden, aber schon als drei künftig selbständige Gemeinden gedacht waren. Der Bau einer dritten großen Kirche neben der Zionskirche (jetzt: Erlöserkirche) und St. Martin war schon damals ständiger Gegenstand der Kirchenvorstandsberatungen. Die Notwendigkeit dieses Baues war dem Kirchenvorstand der St. Martinsgemeinde bereits bald nach der Einweihung der Zionskirche im Jahre 1880 klar geworden, weil die Stadt Linden besonders im Norden eine Bevölkerungsexplosion verzeichnete.
Gerhard Uhlhorn, Abt zu Loccum, Leiter der hannoverschen Landeskirche von 1866 bis ins 20. Jahrhundert hinein, entschied: Bevor in und um Hannover neue Gebiete besiedelt werden, muss der Platz für die evangelische Kirche festgelegt werden.
1892 wurde am Köthnerholzweg ein Stück Pfarrland, der heutige „Schmuckplatz" als Bauland ausgesondert und 1898 auf Antrag des Pastors Crusius (St. Martin) beschlossen, dieser neuen Kirche den Namen „Bethlehemkirche“ zu geben.
Bei der Bebauung der anliegenden Straßen erwies sich aber dieser vorgesehene Bauplatz als ungeeignet, denn viele Wohnhäuser gab es in diesem Gebiet noch nicht. Die Zimmerstraße und der Köthnerholzweg zeigten noch viele Baulücken. Die Stadtplanung sah deshalb vor: Am Ende der Weckenstraße und der Noltestraße, die beide nach alten Lindener Pastoren benannt sind, mitten im etwas sumpfigen Fössefeld, sollte die neue Kirche gebaut werden.
Vor der neuen Kirche sollten fünf oder sieben Straßen sternförmig in den vorgesehenen runden Platz einmünden. Die Kirche hätte dann zentral im Mittelpunkt der Gemeinde gestanden. Der Lindener Magistrat hat deshalb zur prunkvollen Gestaltung der Westfassade mit den drei kupferbedeckten Türmen der Kirche dann selbst eine Summe von 30.000,-- Mark zur Verfügung gestellt.
Zur besseren kirchlichen Versorgung der Bewohner rechts und links der Limmerstraße wurden schon im Jahre 1900 in der Aula der Volksschule an der Fröbelstraße in regelmäßigen Abständen Predigtgottesdienste abgehalten. 1903 kam Pastor Lemmermann aus Einbeck als dritter Geistlicher zur St. Martinskirche und übernahm den Seelsorgerbezirk der künftigen Bethlehemgemeinde. Nach Fertigstellung der Kirche sollte er dann die neue Gemeinde als erster Geistlicher übernehmen.
1902 begannen die Ausschachtungsarbeiten für den Kirchbau. Der Bau wurde dem Professor Dr. Karl Mohrmann, Konsistorial-Baumeister und Rektor der Technischen Hochschule Hannover, übertragen.

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Die Grundsteinlegung
Am 15. Mai 1904, am Himmelfahrtstag, konnte der Grundstein gelegt werden. In ihm ruht eine verlötete kupferne Kassette, in der sich eine Bibel, ein Gesangbuch und die Tageszeitungen befinden.
Alles, was zwischen lhme und Fösse Rang und Namen hatte, war zu diesem feierlichen Anlass erschienen. Für die Schmückung zur Grundsteinlegung hatte der Gärtner und Kranzbinder Eduard Vasel die Girlanden gebunden. Man versammelte sich eng im späteren Altarraum der Kirche, dessen von sechs Rundbogen profilierte Rückwand sich bereits erkennen ließ: Da ist die Geistlichkeit mit dem Präsidenten des Landeskonsistoriums, D. Chalibäus, an der Spitze vertreten. Da sind Bürgermeister Lodemann und die Senatoren Fischer und Stockmann gekommen, und es fehlen auch nicht die Ehrengäste von jenseits der Leine und Ihme. Im weiteren Umkreis umsteht die Gemeinde das weihevolle Geschehen und irgendwo seitlich hat sich Bruder Noltenius mit seinem jungen Posaunenchor postiert. Mit herzlicher Anhänglichkeit haben seine jungen Bläser zu ihm hingeschaut, als sie zu der Motette "Der Herr ist mein Hirte" ansetzten.
Im Hintergrunde war die Hofplanke der Fröbelschule zu sehen. Andächtig sprach Pastor Wecken Gebet und Segen und die Feier klang mit dem Gesang der Gemeinde aus.
Was der Konsistorialbaumeister Prof. Mohrmann bei der Grundsteinlegung wünschte, dass dieser Bau unerschütterlich stehen bleiben möge – was in Erfüllung gegangen ist.

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Der Baumeister der Bethlehemkirche
Karl M o h r m a n n wurde am 2.7.1857 als Sohn des Malers Friedrich Mohrmann in Einbeck geboren. Er studierte nach Ablegung der Reifeprüfung das Baufach in Hannover und Berlin. 1886 habilitierte er sich als Privatdozent in Hannover und folgte 1887 einem Ruf als ordentlicher Professor auf einen Lehrstuhl für Architektur in Riga. 1892 kehrte er als Nachfolger von Conrad Wilhelm Hase als Ordinarius für Mittelalterliche Baukunst und Entwerfen öffentlicher Gebäude an die Technische Hochschule in Hannover zurück. Seit 1897 trug er auch über Kleinkunst, Ziegel- und Holzbau des Mittelalters und seit 1910 über frühgermanische Kunst vor. Von 1911 - 1913 war er Rektor der Technischen Hochschule, Hannover, 1914 - 1918 leitete er das in der Hochschule eingerichtete Reserve-Lazarett. 1909 Geheimer Baurat. 1920 ernannte ihn die Berliner Technische Hochschule zum Dr.-Ing.h.c. als "dem feinsinnigen Baumeister, dem Kenner mittelalterlichen Radwesens und dem erfolgreichen Lehrer".

Mohrmann war seit 1898 nebenamtlich als Konsistorialbaumeister beim jetzigen Landeskirchenamt tätig. Außer der Restaurierung verschiedener Kirchen, so der Michaeliskirche in Hildesheim, erbaute er zahlreiche Kirchen, Pfarrhäuser und Privatbauten, in Hannover die 'Bethlehemkirche, im Stadtteil Linden.
Studienreisen führten Mohrmann nach Italien, Skandinavien, England, Afrika, Amerika usw. Er gab ein großes Werk über "Germanische Frühkunst" heraus, außerdem das "Lehrbuch der gotischen Konstruktionen", das "Gotische Musterbuch" usw. Im Auftrage der Hannoverschen Landeskirche entwarf er den tuchschmuck zu der Notenausgabe des Gesangbuches vom. Jahre 1910.
Neben der sehr starken beruflichen Inanspruchnahme entfaltete Mohrmann noch eine ausgedehnte Tätigkeit im Hannoverschen Vereinsleben, so unter anderem im Vorstand des "Hannoverschen Kunstvereins". Dem "Heraldischen Verein zum Kleeblatt" half er als Vorsitzender über die schwierigen Jahre des ersten Weltkrieges hinweg, so dass er 1921 zum Ährenvorsitzenden ernannt wurde. Als einer der Ersten, die sich in Deutschland für die Farbfotografie interessierten, förderte er die "Fotografische Gesellschaft zu Hannover", deren Ehrenvorsitzender er ebenfalls war. Als Nachfolger von Hase übernahm er schon frühzeitig die Leitung der "Bauhütte zum weißen Blatt", die er viele Jahre als "Altmeister" führte. Ganz besonders am Herzen lag ihm die Heimatbewegung. So übernahm er 1912 auch bereitwilligst den Vorsitz im Heimathund Niedersachsen.
Nach der Emeritierung im Jahre 1924 wohnte er den größten Teil des Jahres in seiner kleinen Villa in St. Georgen bei Freiburg i. Br. , blieb aber weiter mit seiner Heimatstadt Hannover verbunden, wo er an der Technischen Hochschule auch noch Vorlesungen über Sondergebiete hielt. Sein arbeitsreiches und arbeitsfreudiges Leben endete am 26.4.1927 in St. Georgen kurz vor der Vollendung des 70. Lebensjahres. Nach Einäscherung in Freiburg fand die feierliche Beisetzung der Urne auf dem hiesigen Strangrieder Friedhof statt.
Die Stadt Hannover ehrte sein Andenken dadurch, dass sie auf Vorschlag des Heimatbundes eine in der Nähe seines von ihm erbauten Wohnhauses am Herrenhäuser Kirchenweg liegenden Straße "Mohrmannstraße" nannte.

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Einblicke in die Stilkunde
Im „Historismus“ des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurden, orientiert an der eigenen kulturellen Vergangenheit, historische Stile in die zeitgenössische Architektur transportiert, auf der Suche nach einer eigenen Formensprache und kulturellen Identität. Dabei war nicht nur ein Stil besonders beliebt: Man rezipierte Bauten der Romanik, Gotik, Renaissance, des Klassizismus ... (= „Stilpluralismus“), je nach den Vorlieben des Auftraggebers (Kaiser, Staat, Kirche) und der Ausbildung des Architekten. Bisweilen wurden an ein und demselben Bauwerk gleichzeitig historische Formen aus unterschiedlichen vergangene Stilen (z.B. Gotik und Romanik) aufgegriffen (=“Eklektizismus“).

Ein Bauwerk des „Historismus“, das überwiegend historische Formen der Romanik aufweist, ist im Stil der „Neuromanik“ gebaut. Der Impuls zur „Neuromanik“ rührte u.a. von den Restaurierungen bedeutender romanischer Bauwerke (wie z.B. dem Speyrer oder dem Aachener Dom, den romanischen Kirchen Kölns oder Hildesheims) in der Zeit zwischen 1850 und 1914 her. Gleichzeitig mit den damaligen Vorhaben der Denkmalpflege setzte auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der romanischen Architektur ein. Publikationen über die Bauwerke der Romanik wurden dabei oft als Vorlagenbücher bzw. Werkkataloge für den Architekten ausgebildet. Das theoretische Wissen wurde durch Exkursionen zu den Bauten (viele Studienreisen nach Italien z.B.) und zeichnerische Übungen praktisch vertieft.
Die Kirche als Auftraggeber spielte ebenfalls eine besondere Rolle. Sie verfolgte andere Interessen als monarchische oder staatliche Bauherren. Kirchtürme sollten in Konkurrenz zu Fabrikschornsteinen errichtet werden, um während der Industrialisierung am traditionellen Glauben und regionalen Traditionen festzuhalten. Das sakrale Mittelalter war dazu der geeignete Bezugspunkt.

Die Architekten der „Hannoverschen Schule“, die bei Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) an der TH in Hannover hauptsächlich die Formensprache der norddeutschen Backsteingotik studiert hatten, entwickelten in der Folgezeit eine besondere Vorliebe für die romanischen Formen des niedersächsischen Raumes. Unter ihnen befand sich auch der Architekt der Bethlehemkirche Karl Mohrmann, der 1902–10 die Restaurierung der romanischen Kirche St. Michael in Hildesheim durchgeführt hatte. Diese und andere romanische Bauten boten ihm mancherlei stilitische Anregungen und hatten Auswirkungen auch für die Gestaltung der Bethlehemkirche bis in das Dekorations- und Gliederungssystem hinein.

Mohrmann entwarf mit der Bethlehemkirche ein Gesamtkunstwerk im „modernen germanischen Stil“, einer von ihm so bezeichneten und verstandenen Stilrichtung der Neuromanik. In „Germanische Frühkunst“, einem von ihm und Ferdinand Eichwede verfassten Buch kommt dies deutlich zum Ausdruck: Man konzentrierte sich in dieser Forschungsarbeit bewusst auf eine vermeintlich nordische Ausrichtung der Romanik von den Anfängen in der Steinzeit bis zum Mittelalter, in Abgrenzung zu östlichen (genannt „byzantinischen“) wie westlichen Stilausprägungen der Romanik – auf der Suche nach einer eigenen Richtung. Dabei war nicht so sehr eine einheitliche Entstehungszeit oder Kunstregion ausschlaggebend, sondern vielmehr das Auftreten bestimmter Grundformen, vor allem in Bezug auf die Ornamentik. So zeigen sich als Beispiele für germanische Kunst in Mohrmanns und Eichwedes Tafelband ganz unterschiedliche Bauten und Objekte gemeinsam nebeneinander, wie z.B. Portale von norwegischen Stabkirchen neben Kapitellen aus St. Michael in Hildesheim, Portallöwen aus Modena/Italien neben Grabplatten aus Schottland. Auch in der Bethlehemkirche kommt in der Auswahl und Rezeption unterschiedlichster mittelalterlicher Vorbilder das gleiche Verständnis zum Ausdruck. Für den Altar bot z.B. die Kirche zu Sal in Jütland/Dänemark ein geeignetes Vorbild, für den Taufstein schwedische Taufbecken wichtige Anregung. Das Dekorationsprogramm der Kirche wird in seiner stilistischen Ausprägung daher stark von nordeuropäischen Flechtwerkmustern des Mittelalters bestimmt:

„Wohlan denn, verfolgen wir den Werdegang der alten Kunst, mit ihren Flechtwerken und Bandverschlingungen in unerschöpflichem Reichtum, ihren phantastischen Tiergestalten in großartiger Linienführung und ihrem Laubwerk in strengen, wunderbar stilisierten und schließlich der Natur als der nie versagenden Lehrmeisterin abgelauschten Bildungen. Beobachten wir, lernen wir und schaffen wir dann aus den jeweiligen Forderungen heraus unsere Formen.“
(Karl Mohrmann und Ferdinand Eichwede (Hrsg.): Germanische Frühkunst. 1. u. 2. Abteilung. 120 Tafeln. Leipzig 1906, 1907, hier Einleitung).

( Weiterführende Literatur zum Thema:
Lieb, Stefanie: Der Rezeptionsprozeß in der neuromanischen Architektur. Studien zur Rezeption von Einzelformen in restaurierter romanischer und neuromanischer Architektur. (= Kölner Architekturstudien, 82.). Köln 2005. sowie
Lieb, Stefanie und Stefan Amt: Neuromanik in Hannover und ihre mittelalterlichen Vorbilder. Die Bethlehemkirche mit Pfarrhof von Karl Mohrmann. In: Form und Stil. Festschrift für Günther Binding zum 65. Geburtstag. Darmstadt 2001, S. 298–317.)

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Ein Stern über Linden

Als die Bethlehemkirche erbaut wurde wollte man ein Zeichen setzen, das auch äußerlich auf den Namen des Bauwerks hindeutet. So bekrönte Karl Mohrmann die Spitze des größten der drei Türme mit einem Stern von 1,45 m Durchmesser – 71 m hoch über Linden. Diesen Stern konstruierte er so, dass er von innen beleuchtet werden konnte.
Noch im 19. Jahrhundert war in Deutschland die Gasbeleuchtung  ein besonderer technischer Fortschritt. Das erste Elektrizitätswerk in Hannover ging 1891, fünfzehn Jahre vor Fertigstellung des mit elektrischer Versorgung ausgestatteten Turms der Kirche, in Betrieb. Auch in Linden eröffnete ein Elektrizitätswerk am 15. Oktober 1897 mit einer Gleichstromanlage. Das bedeutete jedoch nicht, dass sich die Situation für private Abnehmer in Linden entsprechend verbesserte. Um wenigstens die Einspeisung von Strom ins öffentliche Netz von Linden für beachtliche vier Stunden am Tag zu erreichen, schloss die Stadt Linden 1911 einen Vertrag mit der Stadt Hannover zur Stromabgabe ab. 1917 erhielt dann auch Linden ein neues Kohlekraftwerk, so dass ab diesem Zeitpunkt auch der Stern in dieser Weise beleuchtet werden konnte, wie wir es heute kennen.
Bis 1968 wurde die Beleuchtung in den Tagen vom 24. Dezember bis 6. Januar eingeschaltet, als Symbol für den Stern von Bethlehem, der den Weg zu Christus weist. Heute ist der Stern schon seit dem ersten Advent beleuchtet – ein besonderes Licht am vielfältigen Lichterhimmel der Großstadt.


Die Gerhard-Uhlhorn-Kirche

1955 hatte die Bethlehemgemeinde etwa 25.000 Gemeindemitglieder und war damit
die größte Gemeinde der Landeskirche. Eine Teilung der Gemeinde wurde schon
lange erwogen. Im Juli 1955 wurde die Uhlhorn-Gemeinde als Tochter der
Bethlehem-Gemeinde gegründet. Mit jeweils rund 12.000 Gemeindemitgliedern
setzten die Gemeinden ihre Arbeit rechts und links der Limmerstraße fort.

Als Namenspatron wählte die neu entstandene Gemeinde Gerhard Uhlhorn (1826-1901),
Abt zu Loccum, Schlossprediger und Superintendent der Hannoverschen Gemeinden.
Angesichts der fortschreitenden Arbeiterzahlen setzte sich Uhlhorn für die Neugrün-
dung von Gemeinden und den Neubau von Kirchen besonders in den Vorstädten Hannovers
ein. Hier sollten auch die Arbeiter Raum finden in einer Gemeinschaft, die zwischen
Armen und Reichen keinen Unterschied macht. Uhlhorn war überzeugt davon, dass die
Kirche einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der im späten 19. Jahrhundert immer
drängender werdenden sozialen Frage leisten müsse. Der Name der Kirchengemeinde
sollte der Gemeinde zugleich eine deutliche Prägung verleihen.

Nachdem die Trennung von der Bethlehem-Gemeinde im Jahr 1955 beschlossen war,
zog die neue Gerhard-Uhlhorn-Gemeinde zwei Jahre später in einem feierlichen Akt
in das 1899 gebaute Bootshaus am Leineufer in der Salzmannstraße, das fortan als
Gemeindehaus dienen sollte. Im Krieg schwer beschädigt, wurde das große Gebäude,
das zu der Zeit eine Maschinenfabrik beherbergte, nach und nach umgebaut. Am
20. Oktober 1957 wurde der große Saal im ersten Stock durch Landesbischof
Dr. Dr. Hanns Lilje als Kirchsaal geweiht. Bis zur Weihe der Kirche am 2. Advent 1963
fanden hier die Gottesdienste statt. Bischof Lilje predigte im Weihnachtsgottesdienst.

Die Planungen für die Kirche begannen bald nach der Gemeindegründung. Die Gemeinde
wünschte sich einen von außen deutlich als Kirche erkennbaren Bau. Der städtebaulich
wichtige Platz an der Leine machte eine enge Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt
erforderlich. Ein Wettbewerb unter sieben ausgewählten Architekten ergab schließlich
die Zustimmung zu dem Entwurf von Dipl.-Ing. Reinhard Riemerschmid. Am 4. Mai 1961
legte Landessuperintendent Klügel in einem feierlichen Akt den Grundstein für den
neuen Kirchbau.

Das markanteste Merkmal der Kirche nach dem Entwurf von Riemerschmid sind das
einem Zeltdach nachempfundenen hellgrüne Kupferdach und der freistehende, 49 Meter
hohe Turm. Er trägt auf der Spitze vier zu einer Krone zusammengefasste Kreuze, die
eine Kornähre symbolisieren. Der Innenraum der Kirche, der etwa 500 Sitzplätze bietet,
kommt ohne tragende Stützpfeiler im Raum aus und wirkt daher in voller Größe. Holz,
Beton und Glas sind die bestimmenden Materialien im Innern. Die zur Westseite abge-
trennte „Wochenendkapelle“ wird für Taufgottesdienste und als Winterkirche genutzt.
Am 2.Advent 1963 wurde die neu gebaute Kirche am Leineufer durch Landesbischof
Dr. Dr. Hanns Lilje geweiht. Diese Weihe bedeutete die endgültige Selbständigkeit der
Uhlhorn-Gemeinde und den Abschluss mehrjähriger Bautätigkeiten.

Die Nordseite des weithin sichtbaren Kirchturmes, dessen Geläut Christinnen und
Christen zum Gebet ruft, ist mit einem Vers aus dem Lukasevangelium geschmückt.
Die drei übrigen Seiten zieren Skulpturen, die von dem Münchner Künstler Hoffmann
entworfen wurden. Das Relief an der Ostseite zeigt die Weisen aus dem Morgenland,
die dem Stern folgen. gen Süden ist der Kämmerer aus Äthiopien dargestellt, der sich
von Philippus taufen ließ; auf der Westseite ist der Apostel Paulus abgebildet, wie er im
Traum nach Europa gerufen wird.

Die Gerhard-Uhlhorn-Kirche ist nach und nach mit Kunstwerken ausgestattet worden, die
zu einem großen Teil aus Basarerträgen finanziert werden konnten. Der Wandbehang hinter
dem Altar ist nach einem Entwurf des Architekten Riemerschmid vom Nähkreis der
Gerhard-Uhlhorn-Gemeinde selbst angefertigt worden. Er verbindet theologische Gedanken
mit Bildern aus dem Stadtteil. Das den Raum beherrschende hängende Kruzifix, geschaffen
von dem Bildhauer Wolfgang Kreutter, ist am Karfreitag 1968 eingeweiht worden. Vom
selben Bildhauer stammt auch das silberne Altarkreuz, das am Karfreitag 1970 aufgestellt
wurde. Das silberne Kreuz mit Bergkristallen, das in der Taufkapelle den Altar schmückt,
wurde Oster 1973 geweiht.1989 konnte in der Kirche eine neue Orgel der Firma Schmidt &
Mappes eingebaut werden. Die Orgel wurde zur Hälfte aus Gemeindemitteln finanziert, die
dem Engagement des Orgelbauvereins zu verdanken sind. Dieser war 1966 aus dem Kirch-
bauverein hervorgegangen.
1998 wurde das Kupferdach der Kirche durch einen Sturm stark beschädigt und musste
erneuert werden. Aus dem Anlass konnten die alten Milchglasfenster ersetzt werden.
Wenngleich der Architekt von Anfang an eine farbige Verglasung vorgesehen hatte,
hatte man zunächst aus Kostengründen schlichte Fenster eingebaut. Die neuen farbigen
Fenster, nach Entwürfen von Ingrid Schuhknecht von der Berliner Glaswerkstatt Schölzel
entworfen, zeigen Bilder der Schöpfungsgeschichte. Sie werden abends von innen ange-
strahlt.

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